Arbeitsbereiche

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Susanne Foellmer

Reprisen. Zum Phänomen des Bleibenden in Tanz und Performance

Für gewöhnlich ist das Flüchtige als ästhetische Erfahrung besonders im Tanz ein zentrales Phänomen. Das Vorhaben dreht diesen Ansatz um und legt den Fokus auf das Bleibende des Transitorischen. Dabei wird den variierenden Strategien des Bewahrens und Wieder-Holens nachgegangen, die sich in den performativen Künsten in einer neuen Verfasstheit des Bleibens zeigen: Als Re-Konstruktionen geschichtlicher Ereignisse oder als Modi von Retentionen innerhalb der Aufführung selbst. Hierbei kommt es zu Reste-Wanderungen, etwa wenn Choreograph/innen Bewegungsmuster eigener, vorangegangener Aufführungen ‚wiederverwerten‘ oder in andere Dispositive, wie jene des Museums übertragen. Solche Recyclings beziehungsweise Spolien des Ephemeren zeigen sich in künstlerischen Strategien, die mit den theater- und tanzwissenschaftlichen Methoden der Aufführungs- und Bewegungsanalyse sowie den kunstwissenschaftlichen Verfahren der Ikonographie untersucht werden.

Dabei zeigt sich der Befund einer Kunst des Bleibens, die sich in einem Spannungsfeld entwirft: Die entstehenden Über-Reste des Geschehens zeitigen einerseits Effekte von Präsenz, die sich in den je einmaligen Situationen ihres Erblickens und Erlebens ereignen. Umgekehrt erzeugt das Wiederaufbereiten bereits vorhandener künstlerischer Spolien Modifikationen des Bleibens im Moment des aufgeführten Ereignisses selbst. Nicht zuletzt sind dabei die Modi von Präsenz und Flüchtigkeit in den Aufführungskünsten theoretisch zu hinterfragen, insbesondere, wenn Überbleibsel von Vergangenem die Momente der Wahrnehmung konturieren und sowohl die ästhetische Erfahrung wie auch die darauf basierende wissenschaftliche Analyse ‚infiltrieren‘.

 

Cornelia Schmitz

Erfahrung erinnern/vergessen. Audiovisuelle Aufzeichnungen als Instrumente der Aufführungsanalyse von Musiktheater

Hier geht es um die Möglichkeiten, Grenzen und Aporien audiovisueller Aufzeichnungen von Musiktheateraufführungen unter dem Fokus ihres Gebrauchs. Spezifisch gilt das Interesse der Performativität des Aufzeichnungsgebrauchs, die im Rahmen der Aufführungsanalyse reperspektiviert werden soll. Mit dieser  Umdeutung – nicht mehr als störend, sondern als produktiv – verändert sich auch der Status der audiovisuellen Aufzeichnungen: weg von ‚Dokumenten‘ einer abwesenden Präsenz der Aufführung, hin zu Instrumenten voller Widerständigkeit, die darauf hindeuten, dass die Aufführung auch nach dem Fallen des Vorhangs nicht vorbei ist. Der produktive Umgang mit den Erfahrungen dieser Widerständigkeit kann dabei helfen, den Abstand zwischen Aufführung und Aufzeichnung zu markieren und dabei gleichzeitig gestaltende Prozesse des Erinnerns und Vergessens der Aufführung als Dynamik immer weiter in Gang zu halten.

 

Katharina Schmidt

Dem Zitat auf der Spur. Phänomene der Wiederkehr im Tanz

Das Arbeitsgebiet Dem Zitat auf der Spur. Zum Phänomen der Wiederkehr im Tanz untersucht aus erfahrungsästhetischer, sprich ‚zuschauender‘ Perspektive, Bleibemomente im Erleben einer Aufführung. Konkret konzentriert sich das Forschungsvorhaben auf Phänomene der Zitation im Tanz als Wahrnehmungsfigur von Wiederholung und damit als ästhetische Kategorie. Ausgehend von eigenen Déjà-vu-Erfahrungen während Tanzaufführungen soll eine theoretische Perspektive auf das Zitat etabliert werden, die eben solches vielmehr als Erfahrungsverdichtung und -sedimentierung in der eigenen Wahrnehmung versteht, denn als intendiert künstlerisches Verfahren. Das Vorhaben möchte im Zuge dessen einen Beitrag zur Diskussion um die Möglichkeit des Erfahrens eigener Zeitlichkeiten im Tanz jenseits der Opponenten Flüchtigkeit und Dauerhaftigkeit leisten.

 

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